Studienkreis Nachhilfe: passt das große Institut zu deinem Kind?

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Nachhilfelehrer Heiko Schneider vergleicht ruhig zwei mögliche Lernwege für ein Kind

Ob ein großes Nachhilfe-Institut wie Studienkreis das Richtige für dein Kind ist, entscheidet sich nicht am bekannten Namen, sondern an drei Dingen, die auf keiner Anbieterseite groß stehen: in welcher Form gelernt wird, wer dein Kind unterrichtet und ob das Angebot zur konkreten Lücke deines Kindes passt. Wenn du diese drei Punkte sauber prüfst, brauchst du keinen Testsieger und keine Werbung. Du brauchst eine Entscheidung, die zu deinem Kind passt.

Dieser Artikel gibt dir genau die Entscheidungs-Logik dafür an die Hand. Du erfährst, wie ein großes Filial-Institut typischerweise arbeitet, was die Forschung zu Gruppe gegen Einzelstunde wirklich sagt, was Nachhilfe leisten kann und was nicht, und welche vier Punkte du vor jeder Anmeldung prüfen solltest. Welche Formen der Begleitung es bei uns gibt, kannst du parallel in unserem Überblick zu den Nachhilfeangeboten für Familien nachlesen. Geschrieben ist dieser Artikel aus Eltern-Sicht und mit der Praxis-Erfahrung von Heiko Schneider, einem unserer Nachhilfelehrer.

Warum der Name des Instituts die falsche erste Frage ist

Wer nach einem bestimmten Anbieter sucht, hat meist schon eine Vorentscheidung getroffen: Wir holen uns professionelle Hilfe. Das ist gut, denn mit Nachhilfe steht ihr nicht allein da. Rund 14 Prozent aller Schülerinnen und Schüler zwischen 6 und 16 Jahren bekommen in Deutschland Nachhilfe, das sind etwa 1,2 Millionen Kinder, wie die Bertelsmann Stiftung in ihrer Untersuchung zum Nachhilfeunterricht zusammenträgt. Mathematik ist dabei mit 61 Prozent das häufigste Fach, danach folgen Fremdsprachen mit 46 und Deutsch mit 31 Prozent.

Der Haken: Eltern wählen oft zuerst den Anbieter und erst danach die Frage, was ihr Kind eigentlich braucht. Genau das ist die falsche Reihenfolge. Ein Institut ist kein Gütesiegel für deinen Einzelfall. Es ist eine Organisationsform, die für manche Kinder gut passt und für andere weniger. Die bessere erste Frage lautet deshalb nicht “Welcher Anbieter?“, sondern “Welche Art von Hilfe braucht mein Kind gerade?“.

Wie ein großes Nachhilfe-Institut typischerweise arbeitet

Große Filial-Institute sind über viele Städte verteilt und arbeiten meist nach einem festen Modell. Üblich ist die Förderung in kleinen Lerngruppen mit oft drei bis fünf Kindern, ergänzt um Einzelunterricht gegen Aufpreis. Eine feste Lehrkraft betreut die Gruppe, der Unterricht läuft in festen Räumen zu festen Zeiten, dazu kommt eigenes Lernmaterial des Anbieters.

Das hat handfeste Vorteile: feste Struktur, ein fester Ort außerhalb des Zuhauses und ein Ansprechpartner. Für Familien, denen zu Hause die Ruhe oder die Regelmäßigkeit fehlt, kann genau das den Unterschied machen. Der Preis dafür ist in der Regel ein Vertrag mit Laufzeit, und bei Gruppen teilt sich die Aufmerksamkeit der Lehrkraft auf mehrere Kinder auf. Ob das für dein Kind passt, hängt davon ab, wie eigenständig es arbeitet und wie groß die Lücke ist, die es schließen soll.

Gruppe oder Einzelstunde: Was die Forschung wirklich sagt

Hier wird es spannend, weil die verbreitete Annahme “Einzelunterricht ist immer am besten“ so pauschal nicht stimmt. Die Education Endowment Foundation, die für Großbritannien systematisch auswertet, was im Lernen wirkt, kommt für Einzelnachhilfe im Schnitt auf rund fünf zusätzliche Lernmonate Fortschritt pro Jahr. Kleingruppen-Nachhilfe, definiert als eine Lehrkraft mit zwei bis fünf Schülern, bringt im Schnitt rund vier zusätzliche Monate.

Der Abstand ist also kleiner, als viele denken. Wichtig ist aber eine zweite Zahl: Bei älteren Schülern in der Sekundarstufe sinkt der Effekt der Kleingruppe auf rund zwei Monate. Je älter und je komplexer der Stoff, desto eher zahlt sich engere Betreuung aus.

Vergleich von Einzelnachhilfe und Kleingruppen-Nachhilfe nach Gruppengröße und Betreuung

Auch in Deutschland gibt es Daten dazu. Eine Untersuchung von Prof. Dr. Ludwig Haag an der Universität Bayreuth kommt zu dem Ergebnis, dass Nachhilfe in kleinen Gruppen von drei bis vier Kindern der reinen Einzelnachhilfe sogar leicht überlegen sein kann. Förderung auf Klassenniveau oder in großen Gruppen wirkt dagegen deutlich schwächer. Entscheidend ist also nicht Gruppe oder einzeln allein, sondern dass die Gruppe wirklich klein bleibt.

Was heißt das für dich? Eine kleine, gut geführte Gruppe ist für viele Kinder eine sehr gute Wahl, vor allem in der Unter- und Mittelstufe. Einzelbetreuung lohnt sich besonders dann, wenn die Lücke tief ist, das Kind sich in der Gruppe nicht traut zu fragen, oder es um die oberen Jahrgänge geht.

Was Nachhilfe leisten kann, und was nicht

Eine ehrliche Einordnung gehört dazu, denn die Studienlage ist nicht so eindeutig, wie Werbung sie gern darstellt. In derselben Bertelsmann-Untersuchung finden sich beide Seiten. Eine ausgewertete Analyse fand bei Kindern mit bezahlter Nachhilfe keinen messbaren zusätzlichen Kompetenzzuwachs. Die Untersuchung von Ludwig Haag dagegen zeigt deutliche Effekte: In Mathematik sank der Anteil der Schüler mit Note 5 oder 6 binnen sechs Monaten von 41 auf 16 Prozent, in Englisch von 44 auf 17 Prozent.

Wie passt das zusammen? Recht gut, wenn man genauer hinsieht. Nachhilfe wirkt nicht automatisch, nur weil ein Kind irgendwo angemeldet ist. Sie wirkt, wenn die Form passt, die Betreuung eng genug ist und am tatsächlichen Problem gearbeitet wird. Wird dagegen nur Schulstoff in einer zu großen Gruppe wiederholt, verpufft viel Geld und Zeit. Die Zahlen zeigen also keine Magie, sondern eine Bedingung: Nachhilfe hilft, wenn sie gut gemacht ist.

Das deckt sich mit dem, was wir aus der Nachhilfe-Praxis hören. Viele Eltern berichten, dass ihr Kind über Monate brav zur Nachhilfe gegangen ist, ohne dass sich an der Note etwas bewegt hat. Fast immer fehlte dann der ehrliche Blick darauf, wo die Lücke wirklich sitzt. Oft liegt sie nämlich gar nicht im aktuellen Stoff, sondern eine oder zwei Klassenstufen tiefer. Wenn dein Kind in Mathe hängt, hilft unser großer Leitfaden, wie Kinder Mathe von Klasse 5 bis 10 verstehen dabei, diese eigentliche Lücke einzugrenzen, bevor du Geld in die Hand nimmst.

Übrigens: Dass so viele Familien überhaupt suchen, hat einen realen Hintergrund. Im IQB-Bildungstrend 2024 verfehlen 34 Prozent aller Neuntklässlerinnen und Neuntklässler den Mindeststandard in Mathematik für den Mittleren Schulabschluss. 2018 lag dieser Anteil noch bei 22 Prozent. Wenn dein Kind kämpft, ist es also alles andere als allein.

Die vier Dinge, die du vor der Anmeldung prüfen solltest

Statt dich auf einen Markennamen zu verlassen, prüfst du besser vier konkrete Punkte. Sie gelten für jedes Institut, für selbstständige Nachhilfelehrer und für Online-Angebote gleichermaßen.

  1. Die Gruppengröße. Frage konkret nach, mit wie vielen Kindern dein Kind tatsächlich lernt. Drei bis fünf sind nach der Forschung ein guter Bereich. Alles darüber nähert sich dem Klassenniveau an, und dort wird der Effekt schnell klein.
  2. Wer unterrichtet. Lass dir sagen, wer dein Kind betreut und welche fachliche Qualifikation diese Person hat. Ab der Sekundarstufe und besonders in Fremdsprachen sollte die Lehrkraft den Stoff sicher beherrschen. Seriöse Anbieter sagen das offen.
  3. Die Passung zur Lücke. Ein gutes Angebot beginnt mit der Frage, wo genau es bei deinem Kind hakt, und nicht mit einem Standardpaket. Wenn niemand nach dem konkreten Problem fragt, ist das ein Warnzeichen.
  4. Die Probestunde. Nimm das Angebot einer unverbindlichen Probestunde ernst und wahr. Erst dort siehst du, ob die Chemie stimmt und ob dein Kind sich traut, Fragen zu stellen.

Vorsicht beim Vertrag: Laufzeit, Kündigung, Probestunde

Der häufigste böse Brief im Briefkasten ist nicht die Mathe-Arbeit, sondern die automatische Vertragsverlängerung. Große Institute arbeiten oft mit festen Laufzeiten, und die haben rechtliche Folgen. Bei einem Vertrag mit fester Laufzeit ist das ordentliche Kündigungsrecht ausgeschlossen, wie die Verbraucherzentrale erklärt. Du kommst also vor Ablauf nicht ohne Weiteres raus.

Es gibt aber Schutz. Seit dem Gesetz für faire Verbraucherverträge sind automatische Verlängerungen nur noch zulässig, wenn der Vertrag sich danach auf unbestimmte Zeit verlängert und du mit einer Frist von höchstens einem Monat kündigen kannst. Achte beim Lesen also genau auf Laufzeit, Verlängerung und Kündigungsfrist. Und wenn du kündigst, dann schriftlich, fristgerecht und am besten mit Nachweis wie einem Einschreiben. Ein monatlich kündbares Angebot gibt dir die Freiheit, nach wenigen Wochen ehrlich zu prüfen, ob sich etwas bewegt.

Welche Form von Hilfe zu welchem Kind passt

Am Ende läuft alles auf die Passung hinaus. Ein großes Institut mit fester Struktur ist stark, wenn dein Kind einen verlässlichen Rahmen außerhalb des Zuhauses braucht und in einer kleinen Gruppe gut mitkommt. Eine selbstständige Lehrkraft in der Nähe kann punkten, wenn du Wert auf eine feste Bezugsperson legst. Wie du dabei die nächste Adresse nicht mit der besten verwechselst, haben wir im Beitrag zur Nachhilfe in deiner Nähe ausführlich beschrieben.

Geht es konkret um Mathe, dann zählt vor allem, dass am richtigen Punkt angesetzt wird. Worauf du bei einer guten Mathe-Begleitung achten solltest, ordnen wir im Beitrag dazu, was bei Nachhilfe für Mathe wirklich hilft ein. Und wenn Einzelnachhilfe zu Hause für euch im Raum steht, lohnt ein nüchterner Blick darauf, wann sich Einzelunterricht beim Kind lohnt, bevor du dich bindest.

Für manche Familien ist die ehrlichste Antwort aber auch eine andere: Bevor du Monat für Monat Geld in ein Institut steckst, lohnt sich ein erster, günstiger Schritt zu Hause. Genau dafür haben wir unser Lernbuch gemacht.

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Was du jetzt tun kannst

Mach es dir leichter, indem du die Reihenfolge umdrehst. Kläre zuerst, wo die Lücke deines Kindes wirklich sitzt, und entscheide erst danach über die Form der Hilfe. Frage bei jedem Anbieter nach Gruppengröße, Qualifikation, Passung und Probestunde, und lies den Vertrag mit Blick auf Laufzeit und Kündigung. Wenn du diese Schritte gehst, triffst du eine Entscheidung aus guten Gründen statt aus Werbung.

Und wenn du erst einmal selbst sehen willst, was bei deinem Kind hakt, ist unser Buch Mathe meistern für die 5. bis 10. Klasse ein günstiger Start. Es erklärt die wichtigen Themen so, dass dein Kind sie versteht statt sie nur auswendig zu lernen. Was wir sonst noch für Familien anbieten, findest du in unserem Überblick der Nachhilfeangebote.

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