Was kostet private Nachhilfe? Und wofür du dabei wirklich zahlst

Das erwartet dich
Rund 87 Euro im Monat: So viel geben Eltern in Deutschland im Schnitt aus, wenn ihr Kind Nachhilfe bekommt. Das hat eine viel zitierte Untersuchung der Bertelsmann Stiftung ergeben, hochgerechnet sind das fast 900 Millionen Euro pro Jahr. Die Zahl klingt beruhigend konkret. Nur beantwortet sie deine eigentliche Frage nicht: Was kostet private Nachhilfe für dein Kind, und zahlst du am Ende für das Richtige?
Diese Frage lässt sich sauber beantworten, wenn du drei Dinge trennst: den Stundenpreis, den echten Monatsaufwand und den Nutzen. Genau in dieser Reihenfolge gehen wir sie durch. Wenn du danach noch grundsätzlich zwischen den Angebotsformen schwankst, hilft dir zusätzlich unser großer Überblick, wie Online-Nachhilfe heute funktioniert.
Was private Nachhilfe wirklich kostet: die ehrliche Spanne
Einen einzigen Preis gibt es nicht, und wer dir einen nennt, verkauft dir meist sein eigenes Angebot. Was sich sagen lässt, sind belastbare Spannen, die von der Qualifikation der Lehrkraft und der Region abhängen.
Bei Privatpersonen und Studierenden liegen die Preise häufig zwischen 15 und 25 Euro pro Stunde. Eine ausgebildete Fachkraft verlangt eher 30 bis 40 Euro, weil sie fachlich sicherer erklärt und Prüfungen kennt. Nachhilfe-Institute bewegen sich im Einzelunterricht oft zwischen 30 und 55 Euro, dafür bekommst du feste Strukturen und eine Vertretung, wenn jemand krank ist. In Großstädten liegen die Preise spürbar höher als auf dem Land.

Ein Detail entscheidet mehr, als du denkst: Viele Anbieter rechnen in Unterrichtsstunden zu 45 Minuten, nicht zu 60. Zwei Angebote mit demselben Stundenpreis sind also gar nicht vergleichbar, solange du nicht auf die Minuten schaust. Frag immer nach, wofür der Preis gilt, und rechne ihn auf 60 Minuten um. Erst dann vergleichst du Äpfel mit Äpfeln.
Auch die Nebenkosten gehören auf den Zettel. Manche Institute verlangen eine einmalige Anmeldegebühr, andere binden dich an feste Laufzeiten mit Kündigungsfristen. Eine Privatperson kostet pro Stunde oft weniger, springt aber bei Krankheit ersatzlos aus. Diese Punkte tauchen im großen Preisschild nie auf, verändern deine Rechnung am Ende aber deutlich.
Einzeln, in der Gruppe oder online: wo du wirklich sparst
Die Form des Unterrichts beeinflusst den Preis stärker als die Region oder das Fach. Drei Wege gibt es, und jeder hat eine eigene Kostenlogik.
Einzelunterricht ist am teuersten, weil die komplette Zeit deinem Kind gehört. Dafür lässt sich hier am schnellsten eine konkrete Lücke schließen. In der Kleingruppe teilst du den Preis mit anderen Familien, dein Kind bekommt weniger direkte Aufmerksamkeit, zahlt aber pro Stunde oft nur die Hälfte. Online-Nachhilfe liegt preislich meist dazwischen, weil Anfahrt und Raummiete wegfallen und die Auswahl an Lehrkräften größer ist.
Die günstigste Rechnung ergibt sich selten aus der billigsten Stunde, sondern aus der passenden Form. Ein Kind, das nur an einer einzigen Stelle hängt, braucht selten monatelange Gruppenstunden. Ein Kind, das insgesamt unsicher ist, profitiert von der ruhigeren Struktur einer festen Gruppe mehr als von wenigen teuren Einzelterminen. Wenn ihr grundsätzlich lieber jemanden zu euch nach Hause holt, klär am besten zuerst, welche Variante von Nachhilfe zu Hause überhaupt zu deinem Kind passt, bevor Geld fließt.
Warum der Stundenpreis dich in die Irre führt
Der Stundenpreis ist die Zahl, die überall vorne steht. Sie ist auch die am wenigsten aussagekräftige. Was dein Konto am Monatsende spürt, ist der Preis mal die Häufigkeit mal die Vertragsdauer.
Ein Beispiel zum Durchrechnen, ohne echte Anbieter zu nennen: Eine Einzelstunde für 25 Euro klingt moderat. Bei einer Stunde pro Woche sind das gut 100 Euro im Monat, bei zwei Stunden schon über 200 Euro. Genau in diesem Bereich landen viele Familien, und genau deshalb passt der Bertelsmann-Schnitt von rund 87 Euro so gut zur Realität einer wöchentlichen Einheit.
Teurer ist dabei nicht automatisch wirksamer. Die Bertelsmann-Daten zeigen sogar eine soziale Schieflage: Kinder aus einkommensstärkeren Haushalten nehmen mit 15 Prozent etwas häufiger Nachhilfe als Kinder aus einkommensschwächeren Familien mit 12 Prozent. Wer mehr Budget hat, kauft also eher zu, nicht unbedingt klüger. Deine Aufgabe ist deshalb nicht, den teuersten Anbieter zu finden, sondern den passenden Umfang.
Wie viel Nachhilfe dein Kind wirklich braucht
Hier liegt der größte Hebel für deine Kosten, und die meisten Preisvergleiche lassen ihn komplett weg. Nachhilfe ist am teuersten, wenn sie dauerhaft und unbegrenzt läuft, ohne klares Ziel.
Sinnvoll ist der umgekehrte Weg. In der Nachhilfe-Praxis hat sich dafür eine einfache Reihenfolge bewährt, an der du dich orientieren kannst. Erstens: die Lücke benennen, so genau wie möglich, also nicht “schlecht in Mathe“, sondern zum Beispiel “kommt beim Bruchrechnen nicht mit“. Zweitens: ein Ziel mit Frist setzen, etwa die nächste Klassenarbeit oder das Halbjahr. Drittens: die kleinste Frequenz wählen, die zum Ziel passt, oft reicht eine Einheit pro Woche. Viertens: nach vier bis sechs Wochen ehrlich prüfen, ob es besser wird, und dann reduzieren oder anpassen.
Das senkt die Kosten doppelt. Du buchst weniger Stunden, und du bindest dich nicht an lange Verträge. Wenn dein Kind eher punktuell Unterstützung braucht, lohnt ein Blick darauf, wann sich flexibel gebuchte Stunden ohne langen Vertrag stärker rechnen als ein Abo.
Mathematik ist übrigens mit Abstand das häufigste Nachhilfe-Fach, laut Bertelsmann bei 61 Prozent der Fälle, vor Fremdsprachen mit 46 und Deutsch mit 31 Prozent. Wenn es bei euch um Mathe geht, bist du also in bester Gesellschaft, und es gibt viel erprobtes Material für genau dieses Fach.
Kostenlos oder gefördert: Wege, die kaum jemand nennt
Bevor du überhaupt bezahlst, prüf, ob dein Kind Anspruch auf geförderte Lernförderung hat. Über das Bildungspaket, offiziell Bildung und Teilhabe, übernimmt der Staat die Kosten für Nachhilfe, wenn deine Familie Bürgergeld, Kinderzuschlag oder Wohngeld bezieht und das Kind unter 25 ist. Das steht so bei der Bundesagentur für Arbeit.
Zwei Bedingungen musst du kennen. Die Schule muss den Förderbedarf bestätigen und darf selbst kein vergleichbares Angebot haben. Und für die Lernförderung stellst du einen eigenen Antrag, meist beim Jobcenter, getrennt vom übrigen Bildungspaket. Erstattet werden nur nachgewiesene Kosten, heb also Rechnungen und Belege auf. Wichtig zu wissen: Die Förderung soll das Erreichen des Lernziels sichern und wird nur gewährt, wenn der Bedarf nicht selbst verschuldet ist, etwa durch häufiges unentschuldigtes Fehlen.
Auch ohne Anspruch gibt es günstige Wege, die eine reine Preisliste verschweigt. Kleine Lerngruppen teilen die Kosten. Ältere Schülerinnen und Schüler aus der Oberstufe helfen oft für kleines Geld. Und für das tägliche Üben zu Hause braucht es gar keine bezahlte Kraft, sondern gute Struktur. Welche Lernmethoden zu Hause tatsächlich wirken, haben wir im Nachbar-Bereich ausführlich zusammengetragen.
Nachhilfe und Steuer: die eine Ausnahme, die sich lohnt
Die schlechte Nachricht zuerst: Nachhilfe für das eigene Kind kannst du im Normalfall nicht von der Steuer absetzen. Sie zählt nicht zu den haushaltsnahen Dienstleistungen, für die es sonst eine Anrechnung gäbe.
Es gibt aber eine Ausnahme, die überraschend viele Familien betrifft. Zieht ihr aus beruflichen Gründen um, muss dein Kind die Schule wechseln und braucht deshalb Nachhilfe, um den Anschluss zu schaffen, dann sind diese Kosten als Werbungskosten absetzbar. Für Umzüge ab dem 1. März 2024 liegt der Höchstbetrag bei 1.286 Euro je Kind. Nachweisen musst du drei Dinge: dass der Umzug beruflich veranlasst war, dass tatsächlich ein Schulwechsel stattfand, und dass die Nachhilfe genau deswegen nötig wurde. Eine Bescheinigung der Schule gehört dazu. Wenn das auf euch zutrifft, sprich das in der Steuererklärung aktiv an, denn von allein weist dich niemand darauf hin.
Bevor du einen Vertrag unterschreibst: worauf du achtest
Die meisten teuren Fehler passieren nicht beim Stundenpreis, sondern im Kleingedruckten. Die Verbraucherzentrale rät bei Dienstleistungsverträgen zu klaren Grundregeln, die sich eins zu eins auf Nachhilfe übertragen lassen.
Hol dir mehrere Angebote und lass dir Kosten und Leistungen schriftlich einzeln aufschlüsseln. Achte darauf, dass beide Seiten kündigen können, und dass du nicht in eine lange Mindestlaufzeit rutschst, die du gar nicht brauchst. Frag nach, was bei Ausfall passiert, ob Probestunden möglich sind und wer die Lehrkraft ersetzt, wenn sie wechselt. Und unterschreib nichts, was du nicht verstanden hast. Ein gutes Angebot hält diese Fragen aus, ein schlechtes weicht ihnen aus.
Ein zusätzlicher Realitäts-Check hilft gegen teure Fehlkäufe: Ein Anbieter mit dem lautesten Testsieger-Siegel ist nicht automatisch der richtige für dein Kind. Warum die Bestenlisten so wenig über den Einzelfall aussagen, haben wir gesondert aufgeschrieben.
Was du jetzt tun kannst

Fang klein an, bevor du groß buchst. Benenne die konkrete Lücke, setz einen Zeitraum, und prüf zuerst die geförderten Wege. Danach vergleichst du zwei bis drei Angebote sauber auf 60 Minuten umgerechnet und achtest auf die Vertragsbedingungen.
Für viele Familien ist gutes Übungsmaterial dabei der günstigste erste Schritt. Wenn es bei euch um Mathe geht, deckt unser Lernbuch für die 5. bis 10. Klasse genau die Themen ab, an denen Kinder am häufigsten hängen bleiben, und kostet einen Bruchteil einer einzigen Monats-Nachhilfe. Und wenn du lieber persönliche Begleitung möchtest, findest du unsere Nachhilfe-Angebote im Überblick mit klaren, ehrlichen Konditionen.
Die wichtigste Ersparnis ist am Ende keine Rabattaktion. Es ist die Entscheidung, gezielt statt dauerhaft zu buchen. Wer weiß, was sein Kind wirklich braucht, zahlt fast immer weniger und erreicht mehr.
Mathe meistern: Alle wichtigen Themen für die 5. - 10. Klasse
Alle wichtigen Mathe-Themen der Klassen 5 bis 10, verständlich erklärt. Zum Nachschlagen neben den Hausaufgaben.
- Von Nachhilfelehrern geschrieben
- Alle wichtigen Themen der Klassen 5 bis 10





