Online Nachhilfe geben: woran du erkennst, dass dein Kind wirklich etwas lernt

8 Min. Lesezeit
Nachhilfelehrer gibt online Mathe-Nachhilfe per Videocall mit digitalem Whiteboard

Wer “online Nachhilfe geben“ sucht, will meistens selbst unterrichten. Du bist vermutlich aus dem anderen Grund hier: Dein Kind soll online Nachhilfe bekommen, und du willst wissen, ob das, was da gegeben wird, wirklich ankommt. Beide Suchen landen auf denselben Seiten, aber sie stellen sehr unterschiedliche Fragen. Deine ist die wichtigere, und sie wird selten ehrlich beantwortet.

Denn die meisten Treffer zu diesem Begriff sind Anbieter, die Nachhilfekräfte anwerben, oder Verkaufsseiten, die dir ein Abo verkaufen wollen. Was dort fehlt, ist eine nüchterne Erklärung, woran du als Elternteil erkennst, dass Online-Nachhilfe gut gemacht ist. Genau das bekommst du hier. Wie wir bei C&C an das Thema herangehen, kannst du parallel im Überblick über unsere Nachhilfeangebote für Familien nachlesen.

Geschrieben ist dieser Artikel aus Eltern-Sicht und mit der Praxis-Erfahrung von Heiko Schneider, einem unserer Nachhilfelehrer.

Was “online Nachhilfe geben“ eigentlich heißt, und warum das für dich wichtig ist

“Nachhilfe geben“ ist eine Tätigkeit, und wie jede Tätigkeit kann sie gut oder schlecht ausgeführt werden. Dass jemand sie online anbietet, sagt für sich genommen noch nichts über die Qualität. Eine Webcam macht aus einer schwachen Erklärung keine gute, und sie macht aus einer guten Begleitung keine schlechte.

Das ist der Punkt, an dem viele Eltern in die Irre geführt werden. Die Suche nach Online-Nachhilfe fühlt sich an wie die Suche nach einem Produkt, das man kauft und das dann funktioniert. In Wahrheit kaufst du eine Beziehung zwischen einem Menschen und deinem Kind, vermittelt über einen Bildschirm. Ob die etwas bringt, hängt davon ab, was in dieser Stunde tatsächlich passiert, nicht von der Technik drumherum.

Für dich heißt das: Du musst nicht den “besten Anbieter“ finden. Du musst erkennen, ob in einer konkreten Stunde gute Arbeit geleistet wird. Das klingt schwieriger, ist aber leichter, weil es überprüfbar ist. Du kannst es in einer einzigen Probestunde sehen.

Was die Forschung über wirksame Nachhilfe weiß

Zu der Frage, was Nachhilfe leistet, gibt es belastbare Daten. Die Education Endowment Foundation, eine englische Stiftung, die Bildungsstudien zusammenfasst, kommt zu einem klaren Befund: Einzelnachhilfe bringt im Schnitt rund fünf zusätzliche Monate Lernfortschritt pro Jahr. Bei Kleingruppen mit zwei bis fünf Kindern sind es im Mittel rund vier Monate, und es gilt eine Faustregel: Je kleiner die Gruppe, desto besser. Ab etwa sechs bis sieben Kindern fällt die Wirkung deutlich ab.

Interessant ist die Erklärung dahinter. Die Wirkung kommt nicht aus dem Etikett “Nachhilfe“, sondern aus drei Dingen: mehr direktes Feedback, anhaltendere Aufmerksamkeit und Aufgaben, die enger am Bedarf des Kindes liegen. Genau das lässt sich online genauso herstellen wie am Tisch nebeneinander.

Auch die Struktur spielt eine Rolle. Laut derselben Auswertung wirken kurze, regelmäßige Einheiten am besten, etwa eine halbe Stunde, drei bis fünf Mal pro Woche, über einen überschaubaren Zeitraum von einigen Wochen. Und ein Punkt, den fast keine Anbieterseite betont: Nachhilfe wirkt am stärksten, wenn sie zusätzlich zum normalen Unterricht kommt und inhaltlich daran anknüpft. Lose Stunden ohne Bezug zum Schulstoff bringen wenig.

Das deckt sich mit einer Beobachtung, die hinter den Zahlen steht. Laut einer Untersuchung der Bertelsmann Stiftung bekommt etwa jedes siebte Kind zwischen sechs und 16 Jahren Nachhilfe, knapp 1,2 Millionen Schülerinnen und Schüler. Mathematik ist dabei mit Abstand das häufigste Fach, rund 61 Prozent der Nachhilfe-Kinder bekommen Mathe-Hilfe. Eltern geben im Schnitt etwa 87 Euro im Monat dafür aus. Viel Geld, das nur dann gut angelegt ist, wenn die Stunden wirklich gezielt arbeiten.

Auffällig ist auch, wo der Bedarf am größten ist. Am Gymnasium bekommt fast jedes fünfte Kind Nachhilfe, an Grundschulen nur etwa jedes zwanzigste. Der Druck steigt also genau dann, wenn der Stoff schneller wird und die Lücken sich aufschaukeln. Und es gibt eine ernüchternde Lesart der Zahlen: Hohe Ausgaben allein sagen nichts über die Wirkung. Geld, das in lose Stunden ohne klares Ziel fließt, verpufft. Genau deshalb lohnt es sich, weniger auf den Preis und mehr auf die Machart zu schauen.

Wirkt online genauso wie vor Ort?

Das ist die Frage, die unter “online Nachhilfe geben“ eigentlich steckt. Die kurze Antwort: Ja, wenn die Stunde gut gebaut ist. Das Medium entscheidet weniger als die Machart. Ein digitales Whiteboard, auf dem dein Kind selbst rechnet, kann mehr Rückmeldung erzeugen als ein Nachmittag, an dem es neben einer Lehrkraft sitzt und zuschaut.

Wichtig ist, was online leicht verloren geht: dass dein Kind aktiv bleibt. Ein Bildschirm verführt zum passiven Konsumieren, ähnlich wie ein Erklärvideo. Eine gute Online-Nachhilfe steuert genau dagegen, indem sie dein Kind ständig selbst arbeiten lässt. Ob das gelingt, ist keine Frage des Anbieters, sondern der einzelnen Stunde. Ob Online-Nachhilfe für dein Kind grundsätzlich passt, haben wir an anderer Stelle ausführlich durchgespielt, mit allen Vor- und Nachteilen.

Praktisch hat das Format sogar Stärken, die am Tisch fehlen. Auf einem geteilten Bildschirm sieht dein Kind die Rechnung Schritt für Schritt entstehen, die Lehrkraft kann denselben Fehlertyp sofort an einem zweiten Beispiel zeigen, und nichts geht im Heft verloren. In der Nachhilfe-Praxis zeigt sich, dass gerade Kinder, die sich vor einer Gruppe nicht zu fragen trauen, online eher den Mut finden nachzuhaken. Entscheidend bleibt, dass jemand das Format auch nutzt, statt nur eine Präsenzstunde vor die Kamera zu verlegen.

Warum sich der Aufwand lohnt, zeigt ein Blick auf die Ausgangslage. Im IQB-Bildungstrend 2024, der größten regelmäßigen Schulleistungsstudie in Deutschland, verfehlt rund jeder dritte Neuntklässler den Mindeststandard in Mathematik für den Mittleren Schulabschluss. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber 2018. Wenn dein Kind in Mathe kämpft, ist es also alles andere als allein, und gezielte Begleitung ist genau das, was hier fehlt.

Woran du in der Probestunde gute Online-Nachhilfe erkennst

Fast jeder Anbieter bietet eine Probestunde an. Die meisten Eltern nutzen sie, um ein Bauchgefühl zu bekommen (“war nett“). Du kannst sie nutzen, um Qualität zu prüfen. Achte auf fünf Dinge, die sich direkt aus der Forschung ableiten.

Erstens: Beginnt die Nachhilfekraft mit einer Diagnose statt mit dem Stoff? Gute Begleitung findet zuerst heraus, wo genau die Lücke sitzt. Wer sofort loslegt, ohne dein Kind rechnen zu lassen, arbeitet nicht am Bedarf.

Zweitens: Redet und rechnet dein Kind selbst, oder schaut es nur zu? In einer guten Stunde ist dein Kind die meiste Zeit aktiv. Die Lehrkraft fragt, lässt probieren, wartet aus.

Drittens: Kommt Rückmeldung in Echtzeit? Fehler werden sofort aufgegriffen und erklärt, nicht nur korrigiert. Dieses direkte Feedback ist laut Forschung einer der Hauptgründe, warum kleine Settings wirken.

Viertens: Knüpft die Stunde an die Schule an? Eine gute Nachhilfekraft fragt, was als Nächstes drankommt, und arbeitet daran, statt ein eigenes Programm abzuspulen. So wird die Hilfe zusätzlich zum Unterricht und nicht zur dritten Baustelle.

Fünftens: Wird Fortschritt sichtbar gemacht? Frag nach, wie das Kind in einigen Wochen weiter sein soll und woran man das merkt. Wer darauf keine konkrete Antwort hat, kann später auch keinen Erfolg zeigen.

Was die Forschung sagt, neben dem, was du beim Anbieter prüfen kannst

Die fünf Punkte aus der Probestunde betreffen die Qualität der Stunde selbst. Daneben gibt es eine zweite Ebene, die ein verdeckter Test der Stiftung Warentest beleuchtet hat. Dort wurden sieben Online-Nachhilfe-Anbieter geprüft, und nur zwei schnitten mit “gut“ ab. Bewertet wurde unter anderem die Unterrichtsqualität, der Preis und die Fairness der Verträge. Die besseren Anbieter boten eine ehrliche Elternberatung, ihre Lehrkräfte kommunizierten gut mit den Kindern, und die Verträge waren flexibel. Die Details des Tests findest du bei der Stiftung Warentest.

Für dich sind daraus zwei Prüfpunkte wichtig. Erstens die Vertragsbedingungen: Längere Abos sind pro Stunde oft günstiger, binden dich aber. Lies die Kündigungsfristen, bevor du unterschreibst, und meide Verträge, die sich automatisch verlängern. Zweitens die Preis-Transparenz: Seriöse Anbieter erklären alle Kosten vor Vertragsabschluss und bieten meist auch einzelne Stunden an, nicht nur Pakete.

So passen die beiden Ebenen zusammen.

Vergleich: Was wirksame Nachhilfe laut Forschung braucht und was du beim Anbieter selbst prüfen kannst

Die linke Seite kannst du in der Probestunde beobachten, die rechte Seite klärst du vorher mit dem Anbieter. Beides zusammen schützt dich davor, für etwas zu zahlen, das nett aussieht, aber wenig bewegt.

Was eine gute Online-Nachhilfe von einer teuren Beschäftigung unterscheidet

Der Unterschied lässt sich in einem Satz fassen: Beschäftigung füllt die Zeit, gute Nachhilfe schließt eine Lücke. Eine teure Beschäftigung erkennst du daran, dass dein Kind brav vor dem Bildschirm sitzt, Aufgaben abarbeitet und am Ende sagen kann, dass es “etwas gemacht“ hat, ohne dass sich im nächsten Test etwas ändert.

Wie sieht Beschäftigung konkret aus? Dein Kind schaut ein vorgefertigtes Erklärvideo, klickt sich durch ein Quiz und bekommt am Ende einen grünen Haken, ohne dass jemand merkt, dass es den entscheidenden Schritt geraten hat. Es fühlt sich nach Lernen an und kostet trotzdem nur Zeit. Solche Angebote sind oft günstig und bequem, aber sie ersetzen keine Begleitung, die auf dein Kind reagiert.

Gute Online-Nachhilfe sieht anders aus. Sie setzt an einer konkreten Lücke an, lässt dein Kind selbst arbeiten, gibt sofort Rückmeldung, knüpft an die Schule an und macht Fortschritt überprüfbar. Wenn vier oder fünf dieser Merkmale fehlen, ist der Preis fast egal, weil die Wirkung ausbleibt. Das ist auch der Grund, warum teurere Angebote nicht automatisch besser sind. Eine Stunde, die wirklich an der Lücke deines Kindes arbeitet, schlägt zehn Stunden, die nur die Zeit füllen.

Diese Logik gilt übrigens nicht nur online. Was Nachhilfe in Mathe grundsätzlich leisten kann und woran du gute von schwacher Begleitung unterscheidest, haben wir für das Fach Mathe gesondert beschrieben. Und wenn du verstehen willst, wie die einzelnen Mathe-Themen über die Mittelstufe zusammenhängen, hilft dir der große Leitfaden, wie Kinder Mathe von Klasse 5 bis 10 verstehen.

Was du jetzt tun kannst

Mathe-Lernbuch und Laptop nebeneinander als Ergänzung zur Online-Nachhilfe

Du musst keine große Entscheidung treffen, sondern eine kleine. Buche eine kostenlose Probestunde und geh mit den fünf Punkten von oben hinein, statt nur auf das Bauchgefühl zu hören. Sprich vorher kurz mit der Lehrkraft der Klasse, damit ihr wisst, wo die Lücke wirklich sitzt. Und kläre die Vertragsbedingungen, bevor Geld fließt.

Zwischen den Stunden hilft strukturiertes Übungsmaterial, das am selben Stoff arbeitet. Unser Lernbuch für die Mathe-Themen der Klassen 5 bis 10 ist genau dafür gedacht, als ruhige Grundlage, auf die eine gute Nachhilfe aufbauen kann. Falls du noch grundsätzlich überlegst, ob es online sein soll oder lieber in deiner Stadt, lies, warum die nächste Adresse nicht automatisch die beste ist.

Das Wichtigste bleibt: Nicht der Anbieter macht den Unterschied, sondern die einzelne Stunde. Und die kannst du beurteilen.

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