Social-Media-Nutzung Jugendlicher: Was die Zahlen wirklich sagen

Das erwartet dich
96 von 100 Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren nutzen WhatsApp mindestens mehrmals pro Woche, 63 nutzen Instagram, 56 Snapchat und 53 TikTok. So steht es in der JIM-Studie 2025, der wichtigsten deutschen Befragung zu diesem Thema.
Diese Zahlen helfen dir vor allem als Gegenprobe, wenn dein Kind sagt, „alle“ seien schon dabei. Wie du Medienzeit insgesamt einordnest, steht im Überblick zur Bildschirmzeit bei Kindern. Hier geht es darum, was die Statistik über Social Media tatsächlich hergibt.
Welche Apps nutzen Jugendliche regelmäßig?
WhatsApp, Instagram, Snapchat und TikTok sind die vier Dienste, die Jugendliche in Deutschland am häufigsten nutzen. Das zeigt die JIM-Studie 2025 des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest. Befragt wurden vom 2. Juni bis 12. Juli 2025 repräsentativ 1.200 Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren.
„Regelmäßig“ heißt in der Studie: mindestens mehrmals pro Woche. Das sagt noch nichts darüber, wie lange jemand dort bleibt.
| Dienst | Regelmäßige Nutzung 2025 | Zum Vorjahr |
|---|---|---|
| 96 Prozent | gleich hoch | |
| 63 Prozent | 62 Prozent | |
| Snapchat | 56 Prozent | 52 Prozent |
| TikTok | 53 Prozent | 54 Prozent |
| Discord | rund 20 Prozent | nahezu gleich |
| 9 Prozent | 18 Prozent |
Auffällig ist die Verschiebung bei den beiden Videodiensten. Snapchat hat vier Prozentpunkte zugelegt und liegt damit erstmals seit 2020 wieder vor TikTok. Facebook spielt bei Jugendlichen kaum noch eine Rolle.
Fragt man ohne Vorgabe nach den drei wichtigsten Apps, nennen 84 Prozent WhatsApp. Snapchat kommt auf 24 und TikTok auf 23 Prozent, YouTube nur noch auf etwa ein Fünftel und damit sechs Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.

Wie ändert sich die Nutzung mit dem Alter?
Die Nutzung steigt fast bei jeder App mit dem Alter. Besonders deutlich ist das bei Instagram: Bei 12 bis 13 Jahren nutzen es laut JIM 25 Prozent regelmäßig, bei 14 bis 15 Jahren 63 Prozent, bei 16 bis 17 Jahren 77 Prozent und bei 18 bis 19 Jahren 85 Prozent.
TikTok folgt einem anderen Muster. Es ist bei den 16- bis 17-Jährigen am stärksten verbreitet (64 Prozent) und geht danach leicht zurück (61 Prozent bei 18 bis 19).
Die Studie befragt Jugendliche ab 12. Für jüngere Kinder gilt sie nicht, und die Altersgrenzen der Anbieter sind eine eigene Frage. Wie das bei Instagram aussieht, erklärt der Ratgeber Ab wie viel Jahren ist Instagram?.
Wie viel Zeit steckt hinter den Zahlen?
Jugendliche kommen laut JIM 2025 im Schnitt auf 231 Minuten Bildschirmzeit am Smartphone pro Tag, also knapp vier Stunden. Bei 12- bis 13-Jährigen sind es 166 Minuten, bei 18- bis 19-Jährigen 278 Minuten.
Dieser Wert enthält nicht nur Social Media, sondern alles, was auf dem Handy passiert. Er beruht auf 960 Jugendlichen, die ihre Zeit am Gerät ablesen konnten. Die Studie schreibt selbst, dass die tatsächliche Zeit dadurch tendenziell unterschätzt wird.
Bemerkenswert ist, wie viele Jugendliche ihre Nutzung selbst kritisch sehen. 68 Prozent sagen, sie verbringen häufig mehr Zeit am Handy als geplant. 29 Prozent sind morgens oft müde, weil sie abends zu lange am Gerät waren.
Dazu kommt ein Trend bei der Häufigkeit: Die mehrmals tägliche Nutzung ist gegenüber 2024 gestiegen, bei Snapchat um 9, bei WhatsApp und Instagram um je 5 und bei TikTok um 3 Prozentpunkte. Die Zahl der Nutzenden blieb dabei fast gleich. Die Apps werden also nicht von mehr Jugendlichen genutzt, sondern öfter am Tag geöffnet.
Was sagen die Zahlen für jüngere Kinder?
Für Kinder unter 12 liefert die KIM-Studie 2024 die Zahlen, ebenfalls vom Medienpädagogischen Forschungsverbund. Befragt wurden 1.225 Kinder von 6 bis 13 Jahren und ihre Haupterziehenden.
Ein eigenes Smartphone hatten danach 11 Prozent der 6- bis 7-Jährigen, 33 Prozent der 8- bis 9-Jährigen, 63 Prozent der 10- bis 11-Jährigen und 79 Prozent der 12- bis 13-Jährigen. Das sind Angaben der Eltern, nicht der Kinder.
Dazu passt ein Befund zur Gruppendynamik: 57 Prozent der Haupterziehenden stimmen zu, ihr Kind sei ohne WhatsApp benachteiligt, weil es sonst nicht alles mitbekomme. 67 Prozent regeln viele Dinge zu Schule oder Kindergarten über diesen Messenger. Der Druck „Alle haben das“ hat also einen realen Kern, aber er betrifft zuerst den Messenger und nicht jede App.
Ob ein eigenes Handy schon passt, hängt nicht an diesen Prozentwerten. Die deutsche S2k-Leitlinie empfiehlt im Expertenkonsens ein eigenes Smartphone mit eingeschränktem Internetzugang frühestens ab 9, besser ab 12 Jahren. Das ist eine fachliche Empfehlung und keine gesicherte Altersgrenze. Mehr dazu findest du im Ratgeber Erstes Handy fürs Kind.
Was die Zahlen nicht zeigen
Die JIM-Studie ist eine Befragung. Sie zeigt, wer was wie oft nutzt, aber nicht, ob es gut oder schlecht tut. Wer aus 63 Prozent Instagram-Nutzung auf Schäden schließt, überinterpretiert die Daten.
Auch die Forschung zu Wirkungen ist vorsichtiger, als Schlagzeilen vermuten lassen. Eine Übersicht über 102 Metaanalysen fand bei 95 davon ein mittleres bis hohes Verzerrungsrisiko. Eine Metaanalyse von Längsschnittstudien aus 2026 berichtet meist kleine Zusammenhänge, bei Social Media etwas größere als bei anderen digitalen Medien.
Kleine Zusammenhänge im Durchschnitt beweisen weder, dass jedes Kind betroffen ist, noch dass dein Kind keine Schwierigkeiten haben kann. Und „hängt zusammen mit“ heißt nicht „wird verursacht durch“. Es sind mindestens drei Erklärungen möglich: Die Nutzung beeinflusst das Befinden, das Befinden beeinflusst die Nutzung, oder eine dritte Belastung wie Schulstress beeinflusst beides.
Auch der Elternratgeber SCHAU HIN hält fest, dass der Inhalt ebenso entscheidend ist wie die Dauer. Die Hinweise zu Bildschirmzeiten nennen die Zeit nur als einen Teil der Frage.
Was du aus den Zahlen für euren Alltag machst
Die Statistik gibt dir einen Rahmen. Entscheidend ist, wie ihr ihn in Absprachen übersetzt. Vier Schritte reichen für den Anfang.

Besonders hilfreich ist die Frage nach dem Schlaf. 29 Prozent der Jugendlichen sind morgens müde, weil sie abends zu lange am Handy waren. Ein fester Ladeplatz außerhalb des Schlafzimmers ist eine einfache Absprache, die an dieser Stelle ansetzt. Warum das sinnvoll sein kann, beschreibt der Ratgeber Handy im Kinderzimmer.
Wie ihr daraus eine Familienregel macht, die auch hält, ist Thema im Elternkurs Digital aufwachsen. Kapitel 3 behandelt, wie Apps Aufmerksamkeit binden, und hilft dir zu verstehen, was hinter dem „nur noch kurz“ steckt.
Konkrete Beispiele für Absprachen findest du im Ratgeber Handy regeln zu Hause. Für 14-Jährige liefert Medienzeit mit 14 eine Orientierung dazu, was Jugendliche mittragen.
Häufige Fragen
Wie viele Jugendliche nutzen Social Media?
Fast alle. WhatsApp nutzen 96 Prozent der 12- bis 19-Jährigen regelmäßig, Instagram 63 Prozent, Snapchat 56 Prozent und TikTok 53 Prozent. Die Werte stammen aus der JIM-Studie 2025 und beruhen auf Selbstauskünften.
Welche App ist bei Jugendlichen am beliebtesten?
WhatsApp liegt mit großem Abstand vorn, danach folgen Instagram, Snapchat und TikTok. Bei den Jüngeren zwischen 12 und 13 Jahren spielt neben WhatsApp vor allem YouTube eine große Rolle.
Wie lange nutzen Jugendliche das Handy am Tag?
Im Schnitt 231 Minuten, bei 12- bis 13-Jährigen 166 Minuten und bei 18- bis 19-Jährigen 278 Minuten. Das ist die gesamte Bildschirmzeit am Smartphone, nicht nur Social Media, und sie wird laut Studie eher unterschätzt.
Sind die Zahlen auch für mein 10-jähriges Kind relevant?
Nur eingeschränkt. Die JIM-Studie befragt ab 12 Jahren. Für jüngere Kinder liefert die KIM-Studie Zahlen, aber vor allem zu Geräten und Messengern. Belegte Zahlen zur Nutzung von Instagram, TikTok oder Snapchat bei Kindern unter 12 haben wir nicht geprüft, deshalb nennen wir keine.
Dein nächster Schritt
Such dir eine Zahl aus diesem Artikel, die zu deinem Kind passt, und sprich sie beim nächsten Gespräch über das Handy an. Zum Beispiel: „Was nutzt ihr in der Klasse am meisten, und wofür?“ Du erfährst damit mehr als aus jeder Statistik.
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