Mediensucht Beratungsstellen: Wo Eltern Hilfe finden

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Titelbild: Mediensucht Beratungsstellen, wo Eltern Hilfe finden. Mutter und Tochter im Kurs-Look

Du brauchst keine Diagnose und keinen festen Verdacht, um eine Beratungsstelle anzurufen. Es reicht, wenn dich die Mediennutzung deines Kindes dauerhaft belastet und du nicht mehr weißt, was du tun sollst.

Wie du im Alltag mit Zeiten und Regeln umgehst, steht im Überblick zur Bildschirmzeit. Hier geht es um den Fall, in dem Regeln allein nicht mehr tragen und du Unterstützung von außen suchst.

Wann ist Beratung bei Mediennutzung sinnvoll?

Entscheidend ist nicht die Stundenzahl allein. Wichtig sind Kontrolle, Prioritäten, Folgen und Verlauf: Kann dein Kind die Nutzung mit passender Hilfe steuern? Werden wichtige Dinge dauerhaft verdrängt? Geht die Nutzung trotz erkennbarer Probleme weiter?

Aufmerksamkeit verdienen laut Kurseinordnung zum Beispiel:

  • wiederholter erheblicher Schlafmangel
  • deutlicher Leistungs- oder Teilhabeverlust
  • anhaltender Rückzug oder starke Konflikte
  • heimliche hohe Ausgaben
  • das Gefühl, die Nutzung trotz eigener Versuche nicht steuern zu können

Das sind keine Diagnosen und kein Punktesystem. „Mediensucht“ ist ein Alltagswort. Die WHO beschreibt in der ICD-11 nur die Computerspielstörung als eigene Diagnose, und selbst die setzt typischerweise ein Muster über mindestens zwölf Monate voraus.

Eine Auswertung der US-amerikanischen ABCD-Studie mit 4.285 Kindern fand, dass nicht die gesamte Bildschirmzeit, sondern hohe oder zunehmende suchtartige Nutzung mit mehr psychischen Beschwerden einherging. Es ist eine Beobachtungsstudie. Sie zeigt einen Zusammenhang, keine Ursache.

Welche Beratungsstellen gibt es für Eltern?

Es gibt nicht die eine zuständige Stelle. Je nach Frage passen verschiedene Angebote. Die Übersicht zeigt, wer wofür gedacht ist (Stand: Oktober 2026):

Angebot Gedacht für So erreichst du es
Suchtberatungsstelle Sorge wegen problematischer Nutzung, auch für Angehörige Suche im Suchthilfeverzeichnis der DHS
DigiSucht Digitale Beratung für Betroffene und Angehörige, auch zu Mediennutzung Kostenfreie Registrierung auf suchtberatung.digital
Erziehungs- und Familienberatung Wiederkehrende Konflikte, unklare Familienregeln Beratungsstellensuche der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung
Elterntelefon Eltern suchen Rat oder Entlastung 0800 111 0 550 (Nummer gegen Kummer)

Die Suchtberatung ist der Weg, wenn dich das Thema „Kontrollverlust“ umtreibt. DigiSucht bietet laut Anbieter kostenfreie und anonyme Beratung durch Fachleute, unter anderem für Angehörige. Welche Formate möglich sind (schriftlich, Video oder vor Ort), hängt laut Anbieter von der Verfügbarkeit in den Beratungsstellen ab.

Die Erziehungsberatung passt, wenn es weniger um Kontrollverlust geht und mehr um Streit, Regeln und Erwartungen in der Familie. Die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung nennt über 1.000 Erziehungs- und Familienberatungsstellen bundesweit sowie eine Online-Beratung für Eltern, die bke-Elternberatung. Laut bke ist die Beratung kostenfrei.

So findest du eine Beratungsstelle in deiner Nähe

Das Suchthilfeverzeichnis der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) führt Angebote bundesweit zusammen. Du gibst Postleitzahl oder Ort ein und wählst einen Umkreis zwischen 2 und 100 Kilometern. Optional grenzt du nach Bundesland, Thema, Angebotsart, Sprache und Zielgruppe ein, zum Beispiel „Angehörige“.

Du musst nicht alle Felder ausfüllen. Mit jedem zusätzlichen Kriterium fallen die Treffer in der Regel geringer aus. Ist die Liste leer, vergrößere den Umkreis oder lass den Filter weg.

Vier Schritte zur Beratungsstelle: Verzeichnis öffnen, Ort und Umkreis wählen, Stelle kontaktieren, Fragen zu Kosten klären
So kommst du in vier Schritten zur passenden Stelle.

Die Einträge beruhen laut DHS auf Selbstauskünften der Einrichtungen. Frag deshalb beim ersten Kontakt nach, welche Themen die Stelle abdeckt, ob das Angebot anonym ist und ob Kosten entstehen. Die Verzeichnisseite selbst macht dazu keine Angaben.

Was passiert im ersten Gespräch?

Ein erstes Gespräch heißt nicht, dass dein Kind „in Behandlung“ ist. Meist schilderst du, was du beobachtest, und die Fachperson fragt nach. Gemeinsam überlegt ihr, was als Nächstes sinnvoll ist: weitere Gespräche, Beratung für die Familie oder, wenn nötig, eine Weitervermittlung.

Beschreibe möglichst konkret statt zu bewerten. „Seit drei Wochen schläft mein Kind schlecht und zieht sich zurück“ hilft mehr als „Mein Kind ist süchtig“. Halten Müdigkeit, Angst, Niedergeschlagenheit oder Rückzug an, kann auch die kinder- und jugendärztliche Praxis oder die schulische Beratung eine gute erste Anlaufstelle sein.

Kapitel 11 „Erkennen und handeln“ im Elternkurs Digital aufwachsen hilft dir, eine Sorge verständlich zu beschreiben. Das Arbeitsblatt „Das Beratungsgespräch vorbereiten“ unterstützt dich dabei.

Mehr zur Einordnung findest du im Beitrag zum Handysucht-Test und zur Frage, wann Beratung sinnvoll ist. Geht es um die Frage nach einer Behandlung, hilft der Beitrag zur Therapie bei Handysucht. Ging online etwas Belastendes vor, steht nicht die Nutzung im Mittelpunkt, sondern das Erlebnis: Hinweise gibt der Überblick zu Risiken im Netz und Cybermobbing.

Vergleich: Beratungsstelle vor Ort und Online-Beratung, wann welcher Weg passt
Vor Ort oder online: beide Wege sind für Eltern gedacht.

Häufige Fragen

Muss mein Kind mitkommen?

Nein. Du kannst dich als Elternteil allein beraten lassen, zum Beispiel über das Elterntelefon, eine Erziehungsberatung oder DigiSucht. Das kann entlasten und dir helfen, das Gespräch mit deinem Kind zu planen.

Kostet eine Beratung etwas?

Laut Anbieter sind DigiSucht und die Online-Beratung der bke kostenfrei. Bei einzelnen Beratungsstellen vor Ort frag direkt nach, denn das Suchthilfeverzeichnis macht dazu keine Angaben.

Ist eine Beratung anonym?

DigiSucht beschreibt sich als anonym, das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer ebenfalls. Bei Beratungsstellen vor Ort klärst du das am besten im ersten Kontakt.

Was, wenn mein Kind sich weigert?

Das ist häufig und kein Zeichen, dass die Sorge unberechtigt oder das Gespräch gescheitert ist. Du kannst zuerst allein zur Beratung gehen und deinem Kind ehrlich sagen, dass du dir Unterstützung holst.

Dein nächster Schritt

Such dir eine Stelle aus dem Hilfe-Kasten oder dem Verzeichnis aus und nimm diese Woche Kontakt auf, zum Beispiel für ein erstes Gespräch für dich allein. Beratung zu suchen heißt nicht, dass du versagt hast.

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