Private Englisch-Nachhilfe: was deinem Kind wirklich fehlt, bevor du eine suchst

8 Min. Lesezeit
Schulkind uebt zu Hause Englisch mit einem privaten Nachhilfelehrer am Schreibtisch

Fast jedes zweite Kind, das Nachhilfe bekommt, lernt damit für eine Fremdsprache, in aller Regel Englisch. 46 Prozent aller Nachhilfe-Schülerinnen und -Schüler bekommen Unterstützung in einer Fremdsprache, nur Mathe liegt mit 61 Prozent noch davor. So fasst es die Bertelsmann Stiftung in ihrer großen Erhebung zusammen. Wenn du gerade nach privater Englisch-Nachhilfe suchst, bist du also in sehr großer Gesellschaft.

Und du hast dich vermutlich schon für eine Richtung entschieden: nicht die Gruppe, nicht nur eine App, sondern jemand, der mit deinem Kind allein arbeitet. Diese Entscheidung kann genau richtig sein. Sie kann aber auch verpuffen, wenn vorher niemand fragt, woran es bei deinem Kind eigentlich hakt. Genau da setzt dieser Artikel an. Du bekommst einen kurzen Selbst-Check, eine ehrliche Einordnung, was Einzelhilfe leisten kann, einen Vergleich der drei üblichen Wege und klare Merkmale für eine gute Kraft. Welche Formen es bei uns gibt, kannst du parallel im Überblick über unsere Nachhilfeangebote nachlesen. Geschrieben ist das aus Eltern-Sicht und mit der Praxis-Erfahrung von Heiko Schneider, einem unserer Nachhilfelehrer.

Warum private Englisch-Nachhilfe so oft gebucht wird

Englisch ist für die meisten Kinder kein Krisenfach. Im IQB-Bildungstrend 2022, der größten regelmäßigen Schulleistungsstudie in Deutschland, erreichen oder übertreffen 60 Prozent der Neuntklässler mit Ziel Mittlerer Schulabschluss die Regelstandards im Leseverstehen, beim Hörverstehen sind es sogar 63 Prozent. Beide Werte sind seit 2015 um rund zehn Prozentpunkte gestiegen, wie die Kultusministerkonferenz die Ergebnisse einordnet. Während Deutsch zurückging, hat sich Englisch verbessert.

Für dich heißt das vor allem eins: Wenn dein Kind in Englisch hängt, ist das ein persönliches Problem, kein flächendeckendes. Und persönliche Probleme lassen sich am besten persönlich lösen. Genau deshalb landen so viele Eltern bei der Einzelnachhilfe. Sie versprechen sich davon, dass jemand die eine Lücke ihres Kindes findet, statt im Klassentempo weiterzulaufen.

Was Eltern sich erhoffen, ist meist konkret: eine bessere Note in der nächsten Arbeit, weniger Streit bei den Hausaufgaben, ein Kind, das sich wieder etwas zutraut. Diese Erwartungen sind berechtigt. Sie erfüllen sich aber nur, wenn die Hilfe an der richtigen Stelle ansetzt, und genau das wird beim schnellen Buchen oft übersprungen.

Der Haken: Die meisten Angebote starten sofort mit Vokabeltraining und Grammatik. Das klingt logisch, trifft aber oft gar nicht den wunden Punkt. Bevor du jemanden buchst, lohnt sich deshalb ein Schritt zurück.

Erst die Lücke finden: wo hakt es bei deinem Kind wirklich?

Englisch-Schwierigkeiten sind nicht alle gleich. Sie verteilen sich auf drei Bereiche, und für jeden hilft etwas anderes. Geh die drei in Ruhe für dein Kind durch.

Der erste Bereich ist das Verstehen, also Lesen und Hören. Wenn dein Kind Texte nicht erfasst oder beim Hören aussteigt, fehlt meist Wortschatz oder Übung mit echtem Sprachmaterial. Das ist der Bereich, in dem deutsche Schüler laut IQB im Schnitt am besten dastehen, ein echtes Verständnis-Problem ist also seltener als gedacht.

Der zweite Bereich ist das Schreiben und die Grammatik: Zeiten, Satzbau, die richtige Form. Hier zeigt sich klassischer Übungsbedarf, und hier wirkt gezieltes Wiederholen tatsächlich. Wichtig ist nur, dass geübt wird, was im Unterricht gerade dran ist, nicht irgendein Programm von der Stange.

Der dritte Bereich ist das Sprechen, und er wird am häufigsten unterschätzt. Viele Kinder verstehen Englisch gut, weil sie es täglich über Serien, Musik, Social Media und Gaming aufsaugen. Sobald sie selbst sprechen sollen, kippt es. Der Engpass ist dann nicht fehlendes Wissen, sondern fehlende Sprechgelegenheiten und zu wenig Selbstvertrauen. Genau das beschreibt auch die fachdidaktische Forschung zum sprechförderlichen Englischunterricht der Universität Münster. Und weil die mündliche Mitarbeit erheblich in die Englischnote einfließt, kostet ein stummes Kind Punkte, obwohl es den Stoff eigentlich kann.

Wie merkst du, welcher Bereich es ist? Achte auf konkrete Beobachtungen statt auf das Bauchgefühl. Ein Verständnis-Problem zeigt sich, wenn dein Kind bei Texten oder Hörübungen schon den Inhalt nicht greift. Ein Grammatik-Problem erkennst du an wiederkehrenden roten Strichen an denselben Stellen, etwa bei den Zeiten. Ein Sprech-Problem siehst du oft gar nicht im Heft, sondern hörst es: gute schriftliche Tests, aber eine schwache mündliche Note und ein Kind, das im Unterricht lieber stumm bleibt.

Stell dir also vor dem Buchen drei Fragen: Versteht mein Kind, was es liest und hört? Schreibt es grammatisch sicher? Traut es sich, zu sprechen? Die Antwort entscheidet, welche Art Hilfe überhaupt passt. Wer ein Sprech-Problem mit noch mehr Vokabellisten bekämpft, übt am Ziel vorbei.

Was eine private Einzel-Nachhilfe leisten kann, und was nicht

Einzelnachhilfe wirkt, das ist gut belegt. Hochwertige Eins-zu-eins-Förderung, die mit dem Schulunterricht abgestimmt ist, kann bis zu fünf Monate zusätzlichen Lernfortschritt bringen. Das zeigt die Auswertung von 123 Studien durch die englische Education Endowment Foundation, besonders deutlich bei Kindern, die zu Hause weniger Unterstützung haben.

Zwei Bedingungen stecken aber in diesem Satz, und sie sind entscheidend. Erstens das Wort hochwertig. Die deutschsprachige Forschung zur Nachhilfe findet im Schnitt mittlere Effekte, am stärksten dann, wenn die Lehrkraft geschult ist und die Eltern eingebunden bleiben. Eine pauschale Garantie gibt es nicht. Zweitens die Abstimmung mit dem Unterricht. Eine private Englisch-Nachhilfe hilft, wenn sie genau das aufgreift, was dein Kind nächste Woche in der Schule braucht, nicht, wenn sie ein eigenes Parallel-Programm fährt.

Ehrlich bleibt deshalb auch das Gegenteil: Wenn es bei deinem Kind vor allem um Sprechmut geht, ist eine wöchentliche Vokabelstunde der falsche erste Schritt. Dann braucht es jemanden, der gezielt Sprechsituationen schafft, oder ihr fangt zu Hause an. Geld für Nachhilfe ist gut investiert, sobald klar ist, woran sie ansetzt.

Privat, Institut oder online: drei Wege im Vergleich

Private Einzelnachhilfe zu Hause ist nur einer von drei üblichen Wegen. Daneben stehen die Nachhilfe-Institute und die Online-Nachhilfe. Sie lösen unterschiedliche Probleme, und keiner ist für jedes Kind der beste.

Vergleich von privater Einzelnachhilfe, Nachhilfe-Institut und Online-Nachhilfe in drei Spalten

Kriterium Privat, 1:1 zu Hause Nachhilfe-Institut Online-Nachhilfe
Betreuung volle Aufmerksamkeit für ein Kind oft kleine Gruppen meist 1:1, aber über den Bildschirm
Flexibilität hoch, Termine frei mit der Kraft an feste Zeiten gebunden sehr hoch, ortsunabhängig
Qualitätsprüfung keine Prüfinstanz, du musst selbst prüfen Anbieter wählt die Kräfte aus je nach Plattform sehr unterschiedlich
Beziehung eine feste Bezugsperson, viel Vertrauen wechselnde Kräfte möglich gut, wenn die Kraft konstant bleibt
Vertragsbindung frei vereinbar, oft ohne Laufzeit häufig Monats- oder Jahresverträge unterschiedlich, auf Kündigungsfristen achten

Beim Geld lohnt der nüchterne Blick: Familien geben für Nachhilfe im Schnitt rund 87 Euro pro Monat aus, so die Bertelsmann Stiftung. Was eine private Stunde kostet, hängt stark von der Qualifikation der Kraft ab, von der Studentin bis zur ausgebildeten Lehrkraft ist alles dabei. Teurer ist nicht automatisch besser, billiger nicht automatisch schlechter.

Online ist günstiger zu haben und örtlich flexibel, passt laut Stiftung Warentest aber eher zu Kindern, die sich gut konzentrieren und selbst motivieren können. Ob ein Bildschirm beim Englisch auch das Sprechen trägt, haben wir gesondert angeschaut, nämlich in der Frage, ob Online-Nachhilfe auch beim Sprechen funktioniert. Für ein jüngeres oder leicht ablenkbares Kind ist die feste Person am selben Tisch oft der ruhigere Weg.

Woran du eine gute private Englisch-Nachhilfe erkennst

Weil es bei privater Nachhilfe keine Prüfstelle zwischen dir und der Lehrkraft gibt, bist du selbst die Qualitätskontrolle. Das klingt nach Aufwand, ist aber mit wenigen klaren Fragen machbar.

Eine gute Kraft fragt zuerst, woran es konkret hakt, und schaut sich Schulhefte, letzte Arbeiten und Noten an, bevor sie loslegt. Stiftung Warentest hat in ihrem Test der Online-Nachhilfe festgestellt, dass sich Nachhilfe-Kräfte nicht immer individuell vorbereiten. Der Rat dort gilt für jede Form: Achte darauf, dass dein Kind gewünschte Inhalte, aktuelle Probleme und Noten aktiv mitteilt, und dass die Kraft darauf eingeht.

Achte außerdem darauf, dass am Schulstoff gearbeitet wird, nicht an einem fremden Programm. Frag, wie das Sprechen geübt wird, nicht nur die Vokabeln. Bitte um eine Probestunde und um Referenzen, etwa von anderen Familien. Und halte die Vertragsbindung kurz: Eine Kraft, die von ihrer Wirkung überzeugt ist, braucht dich nicht über Monate zu binden. Worauf du bei Nachhilfe ganz grundsätzlich achten solltest, haben wir am Beispiel Mathe ausführlich beschrieben, in unserem Beitrag dazu, was bei Nachhilfe wirklich hilft.

Was du zu Hause tun kannst, parallel zur Nachhilfe

Gerade beim Sprechen passiert das meiste außerhalb der Nachhilfestunde. Du musst dafür nicht selbst perfekt Englisch können. Es hilft schon, wenn dein Kind die Sprache öfter in kleinen, druckfreien Momenten benutzt: eine Lieblingsserie in Originalfassung, ein paar Sätze beim Kochen, ein Spiel auf Englisch. Wichtig ist, dass Fehler dabei ausdrücklich erlaubt sind, denn die Angst vor Fehlern ist der häufigste Grund fürs Schweigen.

Ein einfacher Hebel ist, beim Reden nicht jeden Fehler zu korrigieren. Wer mitten im Satz verbessert wird, verstummt beim nächsten Mal. Besser ist, den Inhalt ernst zu nehmen und Vokabeln nebenbei anzubieten, wenn dein Kind sie sucht. Auch fünf Minuten am Tag wirken mehr als eine lange Übungseinheit am Wochenende, weil Sprache von Wiederholung lebt, nicht von der Dauer.

Solche Alltagsmomente bauen genau das auf, was Vokabellisten nicht leisten: Routine und Zutrauen. Wie du das Schritt für Schritt begleitest, ohne Drill und ohne Streit, zeigen wir im großen Eltern-Leitfaden zum Englischlernen. Eine private Nachhilfe und ein entspannter Englisch-Alltag zu Hause sind keine Konkurrenz, sie verstärken sich.

Kind lernt entspannt und motiviert Englisch mit Unterstuetzung

Dein nächster Schritt

Sortiere zuerst, in welchem der drei Bereiche dein Kind wirklich hängt: Verstehen, Schreiben oder Sprechen. Entscheide danach, ob eine private Einzelkraft, ein Institut oder Online der passende Weg ist. Und prüfe die Kraft mit den Fragen von oben, bevor ihr startet. So wird aus dem Wunsch nach Hilfe ein gezielter Plan statt eines teuren Versuchs.

Wenn du mögliche Formen vergleichen willst, findest du sie gebündelt in unserem Überblick über die Nachhilfeangebote für Familien. Egal, wofür du dich entscheidest: Dass dein Kind in Englisch gerade kämpft, sagt nichts über seine Klugheit. Es sagt nur, dass eine bestimmte Stelle noch Übung braucht, und die lässt sich finden.

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