Lootbox: Warum sie an Glücksspiel erinnern und was du tun kannst

Das erwartet dich
Eine Lootbox ist ein Spielpaket, das dein Kind für echtes Geld oder Spielwährung kauft, ohne vorher genau zu wissen, was drin ist. Erlaubt ist das in Deutschland, harmlos ist es nicht automatisch: Der Reiz liegt im Zufall, und genau der macht Käufe schwer zu begrenzen.
Wie Zeit, Geld und Spielregeln zusammenhängen, steht im Überblick zu Bildschirmzeit bei Kindern. Hier geht es um einen Teil davon: den Kauf, bei dem dein Kind nicht weiß, was es bekommt.
Was ist eine Lootbox?
Lootboxen sind laut Verbraucherzentrale digitale Pakete, die man für echtes Geld kauft und deren Inhalt oft zufällig ist. Manche Boxen geben Hinweise auf den möglichen Inhalt, bei vielen bleibt unklar, welche Gegenstände sie enthalten.
PEGI, das europäische Alterssystem der Spielebranche, spricht von „Paid random items“: Das sind alle Angebote im Spiel, bei denen Spielende vor dem Kauf nicht genau wissen, was sie bekommen. Sie lassen sich direkt mit echtem Geld kaufen oder gegen eine Spielwährung eintauschen. Je nach Spiel sind sie reine Optik oder haben Wert für den Spielverlauf.
Das macht den Unterschied zu einem normalen Kauf. Wer einen Skin direkt kauft, sieht, was er bezahlt. Wer eine Box öffnet, bezahlt für eine Chance.
Warum Lootboxen an Glücksspiel erinnern
Weil der Inhalt unbekannt ist, kaufen Spielende laut Verbraucherzentrale oft mehrfach, um einen bestimmten Gegenstand zu bekommen. Das kann süchtig machen, besonders Jugendliche, und ähnelt dem Glücksspiel. In Belgien sind Lootboxen aus diesem Grund offiziell verboten, in Deutschland sind sie erlaubt.
Nicht jede Box ist gleich. Manche Gegenstände sehen nur schöner aus, andere bringen Vorteile im Spiel. Dann spricht man von „Pay-to-Win“.
Was die Forschung zeigt, und was nicht
Eine Befragung von 1.155 Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren fand einen Zusammenhang zwischen Ausgaben für Lootboxen und problematischem Glücksspiel. Eine systematische Übersichtsarbeit fand ebenfalls Zusammenhänge.
Die Daten zeigen aber nicht, was Ursache und was Folge ist. Es kann sein, dass Lootboxen riskantes Spielen fördern, dass Jugendliche mit Neigung zum Glücksspiel eher Lootboxen kaufen oder dass beides eine dritte Ursache hat. Ein Großteil der Forschung beruht außerdem auf Befragungen. Für dein Kind heißt das: Du kannst vorsichtig sein, ohne sofort das Schlimmste anzunehmen.
Was PEGI und Jugendschutz dazu sagen
Seit der Reform des Jugendschutzgesetzes am 1. Mai 2021 können Kaufanreize und glücksspielähnliche Elemente wie Lootboxen bei der Frage berücksichtigt werden, ab welchem Alter ein Spiel geeignet ist. Das beschreibt die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz.
PEGI hat die Regeln im Juni 2026 verschärft. Auf der Seite „What do the labels mean?“ steht (Stand: Oktober 2026):
- Bezahlte Zufallsgegenstände: Spiele, die seit Juni 2026 bei PEGI eingereicht werden und solche Angebote enthalten, erhalten PEGI 16 oder PEGI 18 (bei Social-Casino-Spielen).
- Zeitlich begrenzte Angebote: Wenn Käufe nur für kurze Zeit oder in begrenzter Menge möglich sind und so Dringlichkeit erzeugen, gilt PEGI 12.
- Druck zum Spielen: Tägliche Aufgaben und Login-Serien werden mit PEGI 7 bewertet, bei Verlust von Belohnungen bei Nichtspielen mit PEGI 12.
Die Zahl auf der Packung sagt dir damit schon etwas über das Geschäftsmodell. Sie sagt dir aber nicht, ob ein bestimmtes Spiel eine Lootbox hat. Bei Spielen, die früher eingereicht wurden, kann die Freigabe niedriger liegen. In Deutschland gilt im Handel zusätzlich die USK; eine USK-Aussage zu Lootboxen konnten wir nicht prüfen und nennen deshalb keine.
Woran du Lootboxen im Spiel erkennst
Die Verbraucherzentrale beschreibt Methoden, die zu Käufen drängen sollen. Sie stammen aus einer Untersuchung des Verbraucherzentrale Bundesverbands, die solche „Dark Patterns“ in Spielen als weit verbreitet beschreibt:
- Pop-ups mit Kaufangeboten
- zeitlich begrenzte Angebote mit Countdown
- ein Shop, der am Bildschirmrand dauerhaft sichtbar bleibt
- Belohnungen fürs tägliche Einloggen oder fürs Ansehen von Werbung
Dazu kommen virtuelle Währungen. Sie können Kindern und Jugendlichen das Bewusstsein nehmen, dass sie echtes Geld ausgeben. Wenn dein Kind von „Diamanten“, „Münzen“ oder „Gems“ spricht, lohnt sich die Frage: Wie viel echtes Geld steckt dahinter?
Was du einstellen kannst
Du kannst Käufe auf mehreren Wegen begrenzen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, Käufe im App-Store, auf Konsolen und in Spielen mit Passwort oder Fingerabdruck abzusichern oder abzuschalten. Statt einer hinterlegten Kreditkarte helfen Guthabenkarten. Zahlungsdaten und Zugangsdaten solltest du nicht weitergeben, denn Google Play erstattet in der Regel nicht, wenn Zahlungsdaten geteilt wurden oder das Konto ungeschützt ist.

Wie du die Funktionen auf dem Handy und der Konsole einrichtest, steht im Überblick zur Kindersicherung am Handy. Bei einem Spiel, das viele Kinder nutzen, erklärt die Anleitung zur Roblox-Kindersicherung, wie Käufe und Konten dort zusammenhängen.
Wenn dein Kind schon gekauft hat
Hat dein Kind ohne Erlaubnis gekauft, genehmige den Kauf nicht und teile das dem Anbieter mit. Nach dem Taschengeldparagrafen (§ 110 BGB) ist ein Vertrag eines Kindes nur wirksam, wenn es sofort mit Geld bezahlt, das ihm dafür oder zur freien Verfügung überlassen wurde. Das ist keine Rechtsberatung und kein Versprechen auf Erstattung. Rat und Musterbriefe gibt es bei der Verbraucherzentrale.
Apple-Erstattungen lassen sich über reportaproblem.apple.com beantragen, bei Google Play kann man eine Erstattung beantragen, wenn ein Familienmitglied versehentlich gekauft hat. Ob erstattet wird, entscheidet der Anbieter im Einzelfall.
Nach Alter: wie du begleiten kannst
Die folgenden Vorschläge sind Praxisideen, keine Grenzwerte. Sie helfen, ein Gespräch zu beginnen.

Vor dem Erlauben helfen fünf Fragen: Gibt es Zufallspakete im Spiel? Können Käufe ohne Passwort passieren? Wie viel darf dein Kind im Monat ausgeben? Was passiert, wenn es mehr ausgibt? Und wie merkt es, wann es aufhören will?
Wie Apps und Spiele gestaltet sind, damit man weitermacht, ist Thema in Kapitel 3 des Elternkurses Digital aufwachsen. Das Arbeitsblatt „Preis, Druck und Zufall erkennen“ gehört dazu.
Wenn du das Gefühl hast, dass Spielen für dein Kind mehr zur Last als zur Freude wird, findest du Hinweise im Beitrag Computerspielsucht oder Leidenschaft? und Beratungsstellen im Beitrag Mediensucht Hilfe. Wie Altersfreigaben insgesamt zu lesen sind, erklärt der Überblick zu Altersfreigaben bei Apps und Spielen.
Häufige Fragen
Was ist eine Lootbox?
Eine Lootbox ist ein digitales Paket in einem Spiel, das man mit echtem Geld oder Spielwährung kauft. Der Inhalt ist zufällig und vorher meist nicht genau bekannt.
Sind Lootboxen in Deutschland erlaubt?
Ja. Die Verbraucherzentrale nennt sie in Deutschland erlaubt, aber bei der Altersfreigabe durch die USK berücksichtigt. In Belgien sind sie verboten.
Machen Lootboxen süchtig?
Das lässt sich so nicht sagen. Studien fanden einen Zusammenhang mit problematischem Glücksspiel, zeigen aber nicht, was Ursache und was Folge ist. Die Verbraucherzentrale warnt, dass Lootboxen besonders Jugendliche anfällig machen können.
Ab wie viel Jahren sind Spiele mit Lootboxen erlaubt?
PEGI vergibt für Spiele mit bezahlten Zufallsgegenständen, die seit Juni 2026 eingereicht werden, PEGI 16 oder 18. Bei Spielen, die früher eingereicht wurden, kann die Einstufung niedriger sein, deshalb lohnt der Blick auf die PEGI-Hinweise.
Kann ich Lootboxen ganz abschalten?
Eine einzelne Einstellung dafür gibt es nicht überall. Du kannst aber Käufe mit Passwort oder Fingerabdruck absichern, abschalten oder mit Guthabenkarten begrenzen.
Was du jetzt tun kannst
Öffne gemeinsam mit deinem Kind ein Spiel, das es oft spielt, und schaut euch den Shop an. Findet ihr Pakete mit unbekanntem Inhalt, sprecht darüber, was ihr davon haltet, und legt ein Budget fest.
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