Aufsatz schreiben lernen: warum das keine Frage von Talent ist

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Kind plant mit Stichwortzettel und Gliederung einen Aufsatz, ruhig unterstuetzt von einem Nachhilfelehrer

Mehr als jeder fünfte Neuntklässler in Deutschland verfehlt inzwischen selbst in der Rechtschreibung den Mindeststandard: im IQB-Bildungstrend 2022 waren es 22,3 Prozent, rund neun Prozentpunkte mehr als 2015 (die Zahlen fasst das Deutsche Schulportal zusammen). Rechtschreibung ist dabei nur das Handwerkszeug. Die eigentlich schwierige Aufgabe kommt später: aus einzelnen Sätzen einen Aufsatz mit einem roten Faden bauen.

Wenn dein Kind genau daran hängt, ist die wichtigste Nachricht vorweg diese: Aufsätze schreiben ist kein Talent, das man hat oder eben nicht. Es ist ein Handwerk mit klaren Schritten, und jeder Schritt lässt sich einzeln üben. Wie die verschiedenen Aufsatzformen zusammenhängen, ordnen wir im großen Eltern-Guide zum Aufsatzschreiben in Deutsch ein. Hier geht es um die Frage davor: Wie kommt dein Kind überhaupt von der leeren Seite zum fertigen Text?

Warum dein Kind am Aufsatz scheitert, und meistens nicht am Talent

“Mein Kind kann keine Aufsätze schreiben“ ist selten die richtige Diagnose. Fast immer stimmt etwas Genaueres. Das eine Kind hat viele Ideen, bekommt sie aber nicht in eine Reihenfolge. Das andere schreibt sofort los und verliert nach drei Sätzen den Faden. Ein drittes ist mit Rechtschreibung und Handschrift so beschäftigt, dass für den Inhalt kaum Kopf übrig bleibt.

Dieser letzte Punkt ist wichtiger, als er klingt. Beim Schreiben muss ein Kind vieles gleichzeitig leisten: Buchstaben formen, richtig schreiben, Sätze bauen, an den Inhalt denken und den Aufbau im Blick behalten. Gerade jüngere Kinder sind damit oft voll ausgelastet. Wenn allein das Aufschreiben noch anstrengend ist, bleibt fürs Planen und Überarbeiten kaum Kapazität übrig. “Einfach mehr üben“ hilft dann wenig, weil es alle Baustellen auf einmal offen lässt.

Was viele Eltern in der Nachhilfe berichten, deckt sich damit: Nicht das Kind ist zu langsam oder unbegabt, es fehlt ein sauberer Ablauf. Das ist eine gute Nachricht, denn ein Ablauf lässt sich lernen. Geschrieben ist dieser Text aus Eltern-Sicht und mit der Praxis-Erfahrung von Heiko Schneider, einem unserer Nachhilfelehrer. Der Perspektivwechsel, der dabei am meisten entlastet, lautet: weg von “kann keine Aufsätze“, hin zu “an welcher Stelle genau hakt es“. Diese Stelle lässt sich benennen. Und was man benennen kann, kann man üben.

Ein Aufsatz entsteht in drei Schritten, nicht in einem

Geübte Schreiber arbeiten einen Text nicht einfach von oben nach unten herunter. Sie durchlaufen drei Schritte, und die Schule bringt genau das bei. Der bayerische LehrplanPlus beschreibt Schreiben ausdrücklich als Prozess aus Planen, Formulieren und Überarbeiten (nachzulesen im Fachlehrplan Deutsch). Für dein Kind heißt das drei getrennte Arbeitsschritte.

Die drei Schritte beim Aufsatzschreiben: Planen, Schreiben, Überarbeiten, als Übersicht nebeneinander

Schritt eins ist das Planen. Bevor ein einziger Satz entsteht, sammelt dein Kind Ideen, zum Beispiel als Stichwortzettel, als Cluster oder als Mindmap, und bringt sie in eine sinnvolle Reihenfolge. Das ist der Schritt, den die meisten Kinder überspringen, und genau er entscheidet später über den roten Faden. Fünf Minuten Planen sparen oft eine halbe Stunde Frust beim Schreiben.

Schritt zwei ist die Rohfassung. Hier gilt eine einzige Regel: erst einmal drauflos, Fehler sind jetzt egal. Wer beim Schreiben schon an jedes Komma denkt, verliert den Gedanken. Die Rohfassung darf holprig sein, sie muss nur die Ideen aus dem Kopf aufs Papier bringen. Perfekt wird der Text im nächsten Schritt.

Schritt drei ist das Überarbeiten. Jetzt liest dein Kind den eigenen Text noch einmal und prüft ihn mit Abstand: Ist der Aufbau logisch? Fehlt etwas? Ist die Reihenfolge klar? Erst danach kommen Rechtschreibung und Ausdruck an die Reihe. In der Schule laufen dafür Methoden wie die Textlupe oder die Schreibkonferenz, bei der Kinder sich gegenseitig Rückmeldung geben.

Dass dieses schrittweise Vorgehen wirkt, ist gut belegt. Die britische Education Endowment Foundation, die weltweit Bildungsstudien auswertet, zählt das gezielte Vermitteln solcher Selbststeuerung, also das eigene Arbeiten zu planen, zu überprüfen und zu bewerten, zu den wirkungsvollsten und zugleich günstigsten Ansätzen überhaupt. Kinder, die diese Schritte bewusst gehen, schreiben nachweislich bessere Texte.

An welchem der drei Schritte hakt es bei deinem Kind?

Bevor du mit dem Üben startest, lohnt sich ein kurzer Blick darauf, wo es klemmt. Meistens ist es einer der drei Schritte, und jeder braucht einen anderen ersten Handgriff.

Woran du es merkst Wo es hakt Was zuerst hilft
Dein Kind starrt lange auf das leere Blatt und weiß nicht, womit es anfangen soll Planen Erst Stichworte sammeln und nummerieren, bevor der erste Satz entsteht
Es schreibt los, bricht ab, streicht durch und fängt wieder von vorn an Rohfassung Die Regel “alles roh aufschreiben, Fehler kommen später“
Der Text ist fertig, wirkt aber sprunghaft, mit Wiederholungen und ohne klaren Schluss Überarbeiten Den Text laut vorlesen und an einer kurzen Checkliste prüfen
Der Inhalt stimmt, aber es wimmelt von Rechtschreibfehlern Feinschliff Rechtschreibung getrennt und ganz zuletzt prüfen, ein Kriterium nach dem anderen

Der eigentliche Trick liegt darin, immer nur an einem Schritt zu arbeiten. Hakt es beim Planen, übt ihr eine Woche lang nur das Sammeln und Ordnen von Stichworten, ganz ohne fertigen Aufsatz. Hakt es beim Überarbeiten, nehmt ihr einen schon geschriebenen Text und verbessert allein diesen. Das entlastet dein Kind spürbar, weil nie alles gleichzeitig auf dem Tisch liegt. Und es zeigt schnell erste Erfolge, was die Motivation trägt.

Welche Aufsatzart in welcher Klasse dran ist

Aufsatz ist nicht gleich Aufsatz. Die Anforderungen wachsen mit den Klassenstufen, und es hilft, zu wissen, was gerade drankommt. Der LehrplanPlus fasst die schriftlichen Formen in drei Grundarten: Erzählen, Informieren und Argumentieren.

In den Klassen 5 und 6 steht das Erzählen im Vordergrund, etwa die Bildergeschichte, die Reizwortgeschichte oder die Erlebniserzählung. Dazu kommt das Informieren mit Bericht, Beschreibung und Vorgangsbeschreibung. Hier geht es vor allem um Reihenfolge, Genauigkeit und darum, dass ein Außenstehender den Text ohne Nachfragen versteht. Auch die Nacherzählung und später die Inhaltsangabe gehören in diese Phase, in der dein Kind lernt, Vorgegebenes strukturiert wiederzugeben.

Ab Klasse 7 oder 8 rückt das Argumentieren in den Mittelpunkt, und damit die Erörterung. Sie ist für viele Kinder die größte Hürde, weil sie nicht mehr nur wiedergibt, sondern eine eigene Position begründet und ordnet. Wenn dein Kind an diesem Punkt steht, helfen dir drei weiterführende Texte: Wir erklären, wie eine Erörterung überhaupt aufgebaut ist, gehen an einem ausformulierten Beispiel durch, woran man einen guten Aufsatz erkennt, und zeigen Schritt für Schritt die lineare Form.

Der rote Faden über alle Klassenstufen bleibt derselbe: planen, schreiben, überarbeiten. Nur die Textsorte ändert sich, und mit ihr die Frage, worauf dein Kind im Aufbau besonders achten muss.

Zwei Fehler, die das Üben zu Hause schwerer machen

Wenn Eltern helfen wollen, passieren zwei Dinge besonders oft. Beide sind gut gemeint und machen es trotzdem schwerer.

Der erste ist die Diktier-Falle. Dein Kind hängt fest, du siehst die Lösung und sagst die Sätze vor, es schreibt sie mit. Der Aufsatz wird dadurch besser, dein Kind lernt aber wenig dazu, denn den entscheidenden Teil, das Planen und Formulieren, hast du übernommen. Besser sind Fragen statt fertiger Sätze: “Was soll zuerst passieren?“, “Warum findest du das?“, “Was gehört noch dazu?“ So bleibt das Denken bei deinem Kind, und du begleitest nur.

Der zweite ist die Rotstift-Falle. Viele Eltern lesen den fertigen Text und markieren als Erstes jeden Rechtschreibfehler. Das Kind hört daraus vor allem eine Botschaft: Mein Text ist voller Fehler. Über Aufbau und Inhalt, also das, was die Note wirklich trägt, redet dann niemand mehr. Dreh die Reihenfolge um. Sprich zuerst über Inhalt und Aufbau, lobe, was schon trägt, und nimm dir die Rechtschreibung erst ganz zum Schluss vor.

Wenn das Üben zu Hause regelmäßig im Streit endet oder dein Kind grundsätzlich blockiert, kann eine ruhige Begleitung von außen entlasten. Wie Nachhilfe heute abläuft und was sie leisten kann, zeigen wir im Überblick rund um Online-Nachhilfe. Oft reicht schon, dass jemand anderes als die Eltern geduldig die drei Schritte mit dem Kind durchgeht, ohne die Anspannung, die zwischen Eltern und Kind manchmal mitschwingt.

Was du als Nächstes tun kannst

Elternteil und Kind schauen zufrieden auf einen fertig geschriebenen Aufsatz

Fang klein an. Nimm dir den nächsten Aufsatz, der ansteht, und finde mit der Tabelle oben heraus, an welchem der drei Schritte es bei deinem Kind hakt. Übt danach eine Woche lang nur diesen einen Schritt, nicht den ganzen Aufsatz auf einmal.

Baut gemeinsam eine kurze Checkliste, die dein Kind selbst benutzt: Habe ich zuerst Stichworte gesammelt und geordnet? Hat mein Text einen klaren Anfang, eine Mitte und einen Schluss? Habe ich am Ende die Rechtschreibung geprüft? Genau diese Selbstprüfung ist der Hebel, den die Bildungsforschung als besonders wirksam beschreibt, und dein Kind kann sie bei jedem Aufsatz wieder anwenden.

Und gib dem Ganzen Zeit. Schreiben ist eine Fähigkeit, die über Monate wächst, nicht über ein Wochenende. Jeder Aufsatz, bei dem dein Kind einen der drei Schritte bewusster geht, ist ein Fortschritt, auch wenn die Note noch nicht sofort mitzieht.

Wenn du dabei Unterstützung suchst, findest du bei unseren Nachhilfeangeboten einen Überblick, wie gezielte Hilfe für Deutsch für dein Kind aussehen kann.

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